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TRANCE UND EKSTASE

Dr. Martina Steinhardt

Die alten Schamanen haben schon gewußt, was sie taten. Ihre Trancereisen ermöglichten es ihnen, tief in das Herz und die Seele anderer zu blicken und die Ursachen von Krankheiten und Unglück zu erkennen. Schamanen und Hexenmeister beherrschten das Psychodrama, und in der Stammes gruppe wurden Probleme ausagiert.

Überliefert sind auch die schamanischen Körperhaltungen, deren Bedeutung Frau Prof. Felicitas D. Goodman bei ihren Forschungen über religiöse Ekstase nachgegangen ist. Sie fand heraus, daß die verschiedenen Körperhaltungen verschiedene Rei sen in eine Andere Welt bewirken, in denen man Erfahrungen über seinen Gesundheitszustand, seine Lebenssituation und auch seine Schutzgeister und Krafttiere machen kann. Eine bestimmte Körperhaltung führt den Reisenden in ein bestimmtes Land. Die Trance kann durch Rasseln oder Trommeln erzeugt werden. Es ist interessant und wichtig für die Objektivität des Erlebten, daß Menschen, die in Trance dieselbe Körperhaltung einnehmen, auch ähnliche Erlebnisse haben.

Es gibt Heilerhaltungen für Krankheiten, Wahrsager haltungen für Lebensprobleme, Begleitungshaltun gen für die Toten zum Totenreich und auch Meta morphosehaltungen für die Verwandlung in ein Tier oder eine Pflanze. Je nachdem, welches Problem ansteht, kann man sich die Haltung wählen.

Schamanische Körperhaltungen finden sich auf der ganzen Welt und sind transkulturell. Besonders die Heilerhaltung der Chiltran-Geister findet man über die ganze Erde verstreut. Das älteste bekannte Vorkommen stammt aus dem heutigen Siebenbür gen (ca. 4500 Jahre v. Chr.). Sie ist aber auch schon seit Tausenden von Jahren auf dem amerikanischen Kontinent und sogar in Neuseeland bekannt. Bei dieser Haltung sitzen die Frauen im Schneidersitz, während die Männer stehen.

Die Trance bewirkt u. a. die Freisetzung endogener Endorphine, schmerzstillende und euphorisierende Substanzen, so daß es einem nach einer solchen Haltung in der Regel gutgeht. Dennoch muß oder darf man damit rechnen, daß sich manchmal Probleme aus dem Unterbewußtsein lösen und es daher zu Gefühlsaufwallungen kommen kann. Aus diesem Grunde ist es gut, wenn SeminarleiterInnen über eine gute Menschenkenntnis und/oder eine gewisse psychologische Ausbildung verfügen, die dem Schamanen oder der Schamanin intuitiv gege ben war.

Seminare, in denen man Zugang zu den schamanischen Körperhaltungen und Trance bekommt, finden immer wieder im FOCUS-Zentrum statt. Den Weg der Schamanen wiederzufinden, ist gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig, da er uns eine gute Grundlage für unser Leben und Handeln liefert. Die Weisheiten, die uns verlorengegangen sind, können wir aus der Tiefe unseres Unterbewußtseins wieder heraufholen, und im Grunde kann jeder sein eigener kleiner Schamane sein.


Artikel aus: FOCUS Newsletter Nr. 1/1994, S. 10 (Feb. 1994)