LEISTUNG
Dr. Rudolf Kapellner
Der Schlüssel ist Leistung. Insbesondere in einer Gesellschaft, die sich selbst als "Leistungs-Gesellschaft" bezeichnet.
Lassen Sie mich das Thema "Leistung" etwas näher betrachten. Wenn die Zeit immer schneller wird, wenn die Welt immer komplexer und chaotischer wird, wenn sich alles wandelt, dann werden diese umwälzenden Veränderungen vor dem Thema "Leistung" nicht halt machen. Ich möchte daher im Folgenden diesen Wandel rund um "Leistung" beschreiben und die daraus abzuleitenden Konsequenzen darstellen.
Bisher wurde "Leistung" vorwiegend physikalisch-mechanisch definiert (Arbeit als Kraft mal Weg in der Zeit). Oder einfacher: Je mehr Aktion in kürzerer Zeit desto mehr erbrachte Leistung. Die dafür erforderliche Kompetenz ist die Beherrschung komplizierter körperlicher Bewegungsabläufe, mit voller Aufmerksamkeit auf dem Erreichen von vorher gesetzten Zielen.
Diese vorwiegend körperlich orientierte Leistung fasziniert in der sportlichen Spitzenleistung, kultiviert im Ritual der Olympiade. Diese Betrachtung von "Leistung" entspringt der alten Zeit Newton's.
Heute hingegen wird zunehmend eine andere, neue Art von Leistung gefordert, eine Leistung, die außerhalb des bisherigen Leistungsbegriffes liegt: geistige Leistung (keine Kraft, kein Weg, in Null-Zeit), die einer anderen Kompetenz entspringt als körperliche Leistung. Heutige (mentale) Spitzenleistung entspringt folgenden Kompetenzen:
Kompetenz der Person
soziale Kompetenz
Es gibt zwei grundlegend unterschiedliche Arten von Leistung:
- 1. körperlich orientierte Leistung (altes "Leistungsmodell")
- 2. komplexe mentale Leistung (neues "Leistungsmodell")
Um Leistung alter Tradition zu erbringen, ist Aktivierung erforderlich (Aufbringen von Kraft, Bereitstellen von Energie, Leistungspotentialen, ...). Dabei hängen Leistung und Aktivierung im Durchschnitt so zusammen, daß sie eine verkehrt U-förmige Kurve bilden (siehe Abbildung 1). Bemerkenswert erscheint mir, daß aus dieser Kurve ersichtlich wird, daß ab einem gewissen Niveau der Aktivierung die Leistung wieder fällt; dieser Bereich ist der Streß-Bereich, in dem weitere Aktivierung genau das Gegenteil bewirkt: nämlich Leistungsabfall.
Bei besonders körperlich orientierter Leistung verschiebt sich diese Durchschnittskurve nun in Richtung höherer Aktivierung (siehe Abbildung 2), und ab einem eng begrenzten Bereich fällt die Leistung plötzlich stark ab (der Muskel wird überdehnt, Verletzungsgefahr besteht)
Im neuen Leistungsmodell hingegen, wo es um komplexe geistige Leistung geht, zeigt sich eine frappierende Gegenläufigkeit: je geringer die Aktivierung, desto größer die Leistung. (Abbildung 3). Oder einfacher ausgedrückt: komplexe mentale Leistung kann nur in sehr entspanntem Zustand erbracht werden. Anspannung oder gar Streß bedeuten Verlust dieser Leistung. Dann kann man zwar noch körperlich leistungsfähig sein, die mentale Leistungsfähigkeit verschwindet fast gänzlich.
Fazit daraus:
Beim alten Leistungsdenken führt eine Erhöhung der Aktivierung zur Leistungssteigerung
Beim neuen Leistungsdenken führt eine Reduktion der Aktivierung zur Leistungssteigerung.
Der Wert von Entspannung als notwendige Voraussetzung für geistige komplexe Leistung liegt sofort auf der Hand.
Damit ist auch einsichtig: bei mentaler Leistung wird von den meisten Managern in genau die verkehrte Richtung aktiviert (als wäre körperliche Leistung gefragt), nämlich jene Richtung, die von der mentalen Spitzenleistung wegbringt.
Ich habe bisher erläutert, warum also Entspannung (Relaxation, Regeneration und Gelassenheit) die notwendige Voraussetzung für mentale Spitzenleistungen darstellt. Dennoch ist dies nur "die eine Hälfte des Himmels": die zweite notwendige Voraussetzung für mentale Spitzenleistung ist ein anderer mentaler Zustand.
Was ist nun ein mentaler Zustand? Damit bezeichnet man (ganz allgemein) eine charakteristische Art und Weise, die Wahrnehmungen zu ordnen, zu selektieren und mit Hilfe eines dahinterstehenden Modelles zu erklären, zu interpretieren.
Ein Beispiel dazu:
In unserem gängigsten wachen Alltagszustand haben wir unsere Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmungen unserer Sinnesorgane eingestellt, und wir interpretieren diese Wahrnehmungen rational, wissenschaftlich und technisch. Im Traumzustand hingegen haben wir andere Wahrnehmungen, gesteuert von unbewußten Prozessen, und wir sind nicht an die rationalen, physikalischen Gesetze gebunden. Der Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen ist für die meisten klar erlebbar.
Wie verhält es sich nun mit dem mentalen Zustand für unsere beiden verschiedenen Leistungsmodelle?
Das "alte Leistungsmodell" (Sie erinnern sich: vorwiegend körperlich orientiert) baut auf Spannung und Aktion auf, die Aufmerksamkeit ist auf möglichst ein Ziel, eine Aufgabe ausgerichtet. Der fokussierte Blick trägt am besten Scheuklappen gegen Ablenkung, und grenzt alles "Unwichtige" aus.
Dieser mentale Zustand entspricht der physiologischen Einstellung in einer "Kampf-Flucht"-Dimension (da ist ja auch nur der Gegner relevant). Sprunghaft auftretende Veränderungen überraschen und rufen eine Panikreaktion hervor (Abwehr, Kampf oder Flucht). Damit ist dieser mentale Zustand grundsätzlich ungeeignet, komplexe Prozesse zu überschauen und auf unerwartete Veränderungen angemessen zu reagieren, geschweige denn diese aktiv zu gestalten.
Bei komplexer geistiger Leistung hingegen ist Überblick gefragt, ein weicher Blick mit lateraler (seitlicher) Ausweitung, viele Standpunkte werden nebeneinander erlaubt, und sprunghafte Veränderungen, die sozusagen seitwärts wie scheinbar aus dem Nichts auftauchen, werden schon am Horizont wahrgenommen. Die Aufmerksamkeit ist auf nichts Konkretes gerichtet, ist frei fließend und offen ("open mind").
Man könnte zum alten Leistungsmodell auch einfach sagen: das ist "doing by doing", während das neue Leistungsmodell auf "doing by non-doing" basiert (geschehen lassen, bestenfalls wird Selbstorganisation stimuliert).
Nun gibt es auch für den komplexen mentalen Zustand etliche Methoden und Wegen, diesen zu erreichen und zu üben, allen voran die vielen Meditationstechniken und so manche Trancetechnik. Dabei finden wir heute zwei wesentliche Nachteile:
sie sind langwierig zu erlernen und brauchen viel Übung
sie sind im allgemeinen in einen traditionellen religiösen Kontext eingebunden.
Zeitgemäße Mentaltechniken müssen daher diese beiden Nachteile ausgleichen können: rasch erlernbar und jederzeit neutral verfügbar sein.
Genau für diesen Ansatz wurde in Wien vom Institut FOCUS die aktuellen Mentaltechniken und Trainingsmethoden untersucht und für praktische Anwendungen im Management adaptiert. Dabei wurden sowohl elektronisch unterstützte als auch nicht-technische Verfahren aufgegriffen, wobei die individuell angepaßte Kombination verschiedener Techniken und Methoden die optimale Leistungsförderung ergibt. Das daraus resultierende Trainingsprogramm haben wir "FOCUS MIND MANAGEMENT" genannt.
Im Rahmen der FOCUS MIND MANAGEMENT-Trainings wird der Umgang mit verschiedenen neuen Technologien und Methoden erläutert und die eigene Leistung als komplexe, systemische Angelegenheit zu steigern gelernt. Denn neben der durchaus wünschenswerten Entspannung führt die systematische Anwendung von der Instrumente und Methoden von FOCUS MIND MANAGEMENT in einem individuellen Trainingsprogrammes zu einem kreativen, offenen, lern- und leistungsfähigen mentalen Zustand. Es entsteht in der Folge etwas, das wir "mentale Fitneß" nennen: jene Kompetenz, mit dem eigenen Bewußtsein komplexe Leistungen erbringen zu können. Kreativität als Ausdruck höchster mentaler Leistungsfähigkeit wird damit alltäglich.
FOCUS MIND MANAGEMENT und Leistung:
Im Rahmen der FOCUS MIND MANAGEMENT-Trainings wird Leistung nach drei Kriterien betrachtet:
er wir können die Quantität der Leistung verbessern durch die Dynamisierung von Spannung und Entspannung; dabei geht es darum, die Amplituden von Aktivierung und von Entspannung zu vergrößern (siehe Abbildung "Spannung/Entspannung" als Sinuskurven:
Spannung ist oberhalb und Entspannung ist unterhalb der Nullinie aufgetragen; durch Erhöhen des Sinus-Wellen-Bereiches oberhalb und durch Vertiefung des Sinus-Wellen-Bereiches unterhalb der Nullinie verstärken wir die Gesamtleistung). Dies bedeutet: je tiefer die Entspannung, desto höher die Spannung, und je nach Tageslage beginnen wir unterschiedlich.
Die Gesamtleistung, also das Maß der Leistung, die zur Verfügung steht, ist die gesamte Fläche unter der Kurve (siehe Integral-Mathematik); bei einer flachen Kurve ist die verfügbare Leistung gering, bei einer hohen Kurve ist die Leistung dementsprechend größer.
2. Leistung qualitativ:
Die Qualität der erbrachten Leistung hängt davon ab, wofür sie einzusetzen ist; dabei sind die verschiedenen Leistungsverläufe zu berücksichtigen (siehe Abbildung mit den Sinuskurven), sowie die grundsätzliche Orientierung (körperlich, mental, gemischt). Bei MIND MANAGEMENT ist die mentale Leistung im Vordergrund, und für diese gilt: ohne Entspannung keine komplexe mentale Leistung (siehe die Kurve "Leistung und Aktivierung" nach Dodsen-Yerkes), oder: "Tiefe Ruhe in flirrender Dynamik".
3. Leistung für Bewußtsein:
Analog zur Qualität der Leistung gilt: Entspannung ist die notwendige Voraussetzung für die Beschäftigung mit Bewußtsein; in nahezu allen Fällen ist der Wechsel von Bewußtseinszuständen abhängig davon, wie gut bzw. tief wir uns entspannt haben.
Von den technisch-elektronisch gestützten Methoden haben wir vor allem eine Technologie der letzten Jahre aufgegriffen und weiterentwickelt: die Stimulation mit Licht und Ton, wie sie bei Mind Machines verwendet wird ("audio-visuelle Stimulation") . Das Ergebnis ist FOCUS 101 als Trainingsinstrument, die Mentaltrainings damit sind integraler Bestandteil von FOCUS MIND MANAGEMENT.
Was tut nun diese sogenannte "audio-visuelle Stimulation"?
Als erstes einmal wird für Entspannung gesorgt; diese ist vergleichbar mit Autogenem Training oder Jacobson-Entspannung, nur eben sofort und einfach wirksam. Daraus ergeben sich schon einmal eine Reihe von Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Streßmanagement, ebenso im medizinischen und therapeutischen Wirkungsfeld.
Darüber hinaus (und das ist die eigentliche Anwendungsoption von FOCUS 101) sorgt es für einen anderen mentalen Zustand, der sich durch geistige Offenheit, kreative Assoziationen, Fähigkeit zum komplexen Überschauen und leichtem Selbstprogrammieren auszeichnet. Daß dieser Zustand mit deutlichem Wohlbefinden einhergeht, ist ein "Bonus", den alle gerne in Anspruch nehmen.
Lassen Sie mich vergleichen: So wie das Klavier erfunden wurde, um unsere musikalische Ausdrucksfähigkeit zu entwickeln, so wurde FOCUS 101 erfunden, um unsere geistigen Fähigkeiten zu erweitern.
Man kann es auch so sehen: bei der alten Art von Leistung haben wir eigentlich die Spitze erreicht, und jedes Prozent Verbesserung kostet einen enormen Aufwand (vergleiche dazu den Weltspitzensport). Bei der neuen, heute gefragten Leistung hingegen sind wir noch nicht einmal soweit, die 80:20 - Regel zur Anwendung zu bringen (Sie erinnern sich: 20% Aufwand für 80% Ergebnis).
Fazit:
Im Bereich der komplexen mentalen Leistung stehen wir vor allem im Business, aber auch im Bereich Lernen und Kreativität erst am Anfang, es besteht ein enormer Trainingsbedarf.
Zusammenfassung:
bisherige Leistung
neue Leistung
Leistungsart
physikalisch/ mechanisch
mental
Leistungsmethode
Anspannung
Entspannung
Leistungsdimension
eindimensional/ zielgerichtet
komplex/offen/ mehrdimensional
Leistungssteigerung
durch
Aktivierung
Desaktivierung
Orientierung
Ziel
Prozeß
mentaler Zustand
focussiert
lateral überschauend
führt zu
Anstrengung
Wohlbefinden, Genuß, Spaß
für welche Leistung bestens geeignet
für einfache körperliche Leistung
für komplexe geistige Leistung
***
