EKSTASE UND LIEBE
Dr. Fawzia Al-Rawi
Öffnung des Herzens in Trance und Ekstase
Öffnung des Herzens in die Liebe, All-Ein-Sein..
Die Öffnung des Herzens in Trance und Ekstase
Die Öffnung des Herzens in den Religionen der Welt
Liebe, Öffnung des Herzens, Drehungen
Wege für unsere Beziehungen, unsere Sehnsüchte, den Wunsch nach Liebe.
Ich möchte diese Aspekte vom Sufismus aus aufzeigen.
Sufismus ist nicht anders, als alle anderen mystischen Wege.
Die Wahrheit ändert sich nicht. Menschen ändern sich. Der Mensch versucht die Wahrheit zu besitzen, für sich selbst zu behalten und von anderen fern zu halten.
Aber man kann die Wahrheit nicht besitzen.
Nur das Wissen von der inneren Bedeutung befreit einen vom Hängen an der äußeren Form: der letztendliche Sieg des Esoterischen über das Exoterische.
Die göttliche Essenz ist die Liebe und der Sufi Weg ist der Weg der Liebe. Es ist sehr schwer Liebe mit Worten zu erklären. Es ist als ob man jemanden Honig beschreiben möchte, der noch nie Honig gekostet oder gesehen hat.
Kurz gefaßt ist der Sufismus ein Pfad zu Gott durch das Tor des Herzens, den man mit dem Vehikel der Liebe bereist.
Ein mystischer Pfad hat nichts mit Schein oder äußeren Formen zu tun. Das Ende ist im Anfang enthalten. Der Sufi-Pfad ist ein geschlossener Kreis der Liebe, und im ersten Augenblick ist alles gegenwärtig.
Es geht darum, den Bedürfnissen des Augenblicks entsprechend zu leben und ein ausgeglichenes Alltagsleben zu führen.
Was ist Liebe?
Liebe ist das Gute und Schöne in Allen zu sehen. Es ist von allen Dingen zu lernen, den Segen und die Großzügigkeit Gottes in allen zu sehen und dankbar zu sein für die göttliche Fülle.
Was immer man von der Liebe kostet, in welcher Form auch immer, in welcher Intensität auch immer, so ist es ein Teil der göttlichen Liebe.
Was wichtig ist, ist dieses Gefühl der Liebe in welcher Form auch immer im Herzen zu tragen. Es ist auch wichtig, das man geliebt wird. Obwohl, es ist einfacher zu lieben als der Geliebte zu sein.
Die Liebe zwischen Mann und Frau ist auch ein Teil der göttlichen Liebe.
Bei einer wirklich tiefen Beziehung ist eine Begegnung der Seelen möglich, eine Intimität, die über das Körperliche hinausgeht.
Dann ist die körperliche Vereinigung mehr als nur ein physischer Orgasmus. Man taucht ein ins Jenseits, in den unendlichen inneren Raum, der sich wie der Kosmos selbst anfühlt. Körperliche Nähe wird so zu einem Tor zu den inneren Welten. Sie führt zu den Geheimnissen des Weiblichen.
In den alten Tempeln der Göttin wurden diese Mysterien gelehrt. Es gehörte zur Aufgabe der Priesterinnen, Männer in den heiligen Raum des Weiblichen einzuführen. Im Moment des Verschmelzens, wenn man über sich selbst hinausgelangt, scheint sich ein altes Versprechen zu erfüllen: vom Finger des Großen Geliebten berührt zu werden. Man empfindet es als großes Wunder, daß eine menschliche Person, eine körperliche Umarmung die Erfahrung dieser inneren Ekstase möglich machen kann.
Die männliche Kultur verletzt das Weibliche nur allzu gerne, tiefe innere Verletzungen. Dadurch wird die Empfindsamkeit, das Offensein der Gefühle und Emotionen und die Intuition, die innere Stimme, verloren. Die tiefe Zurückweisung des Weiblichen schafft eine schreckliche Wunde.
Wenn man bereit ist sich zu verlieren, nicht zu fürchten auseinandergerissen zu werden, dann kann man das Mysterium des Weiblichen begegnen. Der bzw. die spirituelle WandererIn wird stets zwischen den Gegensätzen hin- und hergeworfen, je stärker ihre oder seine Liebe, desto kraftvoller das Hin- und Her. Gekocht, weichgeklopft durch die unversöhnlichen Gegensätze des Männlichen und Weiblichen, des Menschlichen und Göttlichen. Bis der Moment kommt in dem sich alles vereint.
Die rein äußerliche Ausrichtung unseres heutigen Lebens, läßt uns die tiefere Ausrichtung unseres Lebens, dessen Quelle im Unterbewußtsein ruht, ignorieren.
Fasziniert von der Welt der Wissenschaft, den technologischen Zauberkünsten und ihren sichtbaren Ergebnissen, denen so viel Wert beigemessen wird, haben wir die innere Welt des Unbewußten vernachlässigt und ausgehungert. Wir haben uns an diese Situation gewöhnt und haben keine andere Erwartung mehr. Das Bedürfnis, die Sehnsucht nach innerer Nahrung zeigt sich nur mehr in Phobien, Suchtverhalten und Rückenschmerzen. Wenn die innere Kreativität nicht benutzt wird verunreinigt sie uns.
Das Ziel einer spirituellen Schulung ist ein geführtes Leben zu leben, geführt von dem in uns, was ewig ist.
Dazu muß das Bewußtsein neu eingestellt, neu eingestimmt und auf verschiedene Weise neu erweckt werden, damit es fähig wird, ein geführtes Leben zu führen- denn wir sind nicht gewohnt, von etwas geleitet zu werden, das in nicht-rationaler Weise zu uns spricht.
Es gilt den Verstand zu disziplinieren, so daß er dazu verwendet werden kann, die innere und äußere Welt zu verbinden.
Wenn man das Licht des Bewußtseins in die Tiefe eindringen läßt, kann sich das uralte alchemistische Werk der Transformation vollziehen. Das Bewußtsein wandelt das Unbewußte, und so bedrohen uns diese Urenergien nicht mehr, sondern können uns nähren.
Die Weisheit des Herzens wird mit dem modernen Wissen verbunden.
Der Sufismus ist ein System, in dem das Unbewußte aktiviert und mit Hilfe der Energie der Liebe das Licht enthüllt wird, das in der Dunkelheit verborgen liegt.
Hier in dieser Welt muß etwas vollbracht werden, sei die Tochter der Sohn des Moments und erkenne dessen Kostbarkeit.
Der Sufi Weg löst jede Vermittlerrolle zwischen dem Individuum und dem Göttlichen auf. Es geht um das direkte Kosten und leben.
Die spirituelle Reise ist ein geschlossener Kreis der Liebe, in dem wir unserem eigenen Zentrum, das immer gegenwärtig ist, langsam näher kommen. Auf dieser Reise gibt es keinen Fortschritt. Es findet vielmehr ein Bewußtseinswandel statt, der unsere Essenz, unser wahres Wesen enthüllt, "das Gesicht, das wir hatten, bevor wir geboren wurden". Wenn der Pfad, der in Spiralen verläuft, sich vor einem entfaltet, verändern sich alle Vorstellungen über die Reise und über einen selbst, und man erkennt eine tiefere Wahrheit: der Wanderer, die Reise und das Ziel sind eins.
Ein Sufi zu sein, bedeutet auch anderen zu helfen, nicht nur da zu sitzen und zu meditieren. Ein wahrer Sufi zu sein, bedeutet andere aufzuheben wenn sie fallen, die Tränen der Verzweifelten abzuwischen und Mitgefühl für die Einsamen zu haben. "Es wird uns nie für uns selbst gegeben. Es ist immer für andere". Das ist die Äußere Form, doch im Inneren ist der Blick immer auf das Jenseits, auf das Licht gerichtet, auf den göttlichen Geliebten. "ein Sufi ist in der Welt, aber nicht von der Welt." Sie dienen dem Göttlichen und gehen ihren Weg zurück zu Ihm inmitten des Lärms und der Probleme von Familie und Arbeit.
Verschiedene Menschen haben verschiedene Kapazitäten und Fähigkeiten. Manche können mit ihren Händen helfen, manche mit ihrer Zunge, andere durch ihre Gebete und wiederum andere mit ihrem Geld.
Die Sufis sagen, der wahre Pilger sei weder das Ego noch die Persönlichkeit, sondern eine Substanz im Herz des Herzen. Diese göttliche Substanz wird durch die Energie der Liebe und der Hingabe aktiviert, und sie erfüllt mit ihrer Gegenwart das Bewußtsein.
Es gibt einen ewigen Kampf zwischen dem niedrigen Selbst Ego nafs und der Seele.
Dieser Kampf hält ein Leben lang an. Siegt der Einfluß der Seele über das Selbst, dann siegt die Wahrheit. Wird das Selbst der Herr der Seele so wird man jemand der die göttliche Wahrheit negiert.
Eines Tages ritt der Sultan durch die Straßen Istanbuls, umgeben von seinem Gefolge und Dienern. Die ganze Bevölkerung kam auf die Straßen um den Sultan zu begrüßen und als er vorbei ritt, verbeugten sich alle bis auf einen in Lumpen gekleideten Derwisch. Der Sultan hielt die Prozession an und ließ den Mann zu sich bringen. Er befahl ihn zu sagen, wieso er sich nicht nieder beugte, als er vorbei ritt.
Der Derwisch antwortete: "Laß all diese Menschen sich vor Dir verbeugen. Alle wollen, was Du besitzt: Geld, Macht und Status. Gott sei gedankt, bedeuten diese Dinge nichts mehr für mich. Und noch dazu, wieso sollte ich mich vor Dir verbeugen, wenn ich zwei Diener besitze, die deine Meister sind!"
Die Leute schnappten nach Luft und der Sultan wurde ganz weiß im Gesicht vor Zorn. "Was meinst Du damit!?" brüllte er.
"Meine zwei Diener, welche deine Meister sind heißen Zorn und Habgier," antwortete der Derwisch in Ruhe, dem Sultan direkt in die Augen blickend.
Die Wahrheit dieser Worte erkennend, verbeugte sich der Sultan vor dem Derwisch.
Jeder von uns wird auf ihm eigene Art geöffnet um durch diese Öffnung ihr bzw. sein eigenes Lied zu vernehmen und es als Teil des großen Lebensliedes zu erkennen. In diesem Moment sind wir offen dem Leben gegenüber, dem Wunder, ein menschliches Wesen, und dem Wunder, ein göttliches Wesen zu sein.
Laila und Majnun S.113-124
Im Nahen Osten hat es über die Jahrhunderte hinweg dauernd Katastrophen gegeben. Kriege, Hungersnöte und Unruhen haben in der Psyche der Völker außerordentlich tiefe Narben hinterlassen. Sterben und Tod werden nicht mehr mit Niederlage in Verbindung gebracht. Unter gewissen Umständen kann der Tod die höchste Stufe von Freiheit und Erfüllung darstellen. Eine Niederlage zu erleiden wird als unausweichlicher Bestandteil des Lebens erkannt und bedeutet nur, daß man sein Ziel nicht auf angemessene Weise angegangen ist.
Die Demut des Versagens vermittelt die Süße des Lebens.
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