KÖRPERRÄUME -
Atem-, Stimm- und Leibtherapie
Waltraud Aigner
Atem-, Stimm-, und Leibarbeit sind einige der Hauptelemente der Initiatischen Therapie, die vor ca. 30 Jahren von Maria Hippius und Karlfried Graf Dürckheim begründet wurde. Die personale Therapie ist Bestandteil der Initiatischen Therapie. Was ist damit gemeint? Initiatisch kommt von inire = sich ins Innere hineinbegeben, personal kommt von personare = hindurchtönen. In beiden Begriffen ist der Zugang zu unserem ureigensten Wesen gemeint, das durch uns durchscheint. Es geht um das Durchdringen zu unserem Wesen, um Ganzwerdung und Integration unserer verschiedenen Persönlichkeitsanteile. Es geht um ein Durchlässigwerden für unser Wesen, um den Gewinn an Wesenstiefe und Grundvertrauen in den eigenen Lebensweg. Dazu ein Ausspruch von K.G. Dürckheim, der genau trifft, was gemeint ist: "Wie kommt der Karlfried durch den Dürckheim durch?"
Unsere Haltung, der Atem und die Spannung des Körpers bestimmen unser In-der-Welt-Sein. Oft erleben wir uns starr und unbelebt, nicht getragen vom Lebensrhythmus. Mit Hilfe der Atem-, Stimm-, und Leibarbeit begeben wir uns in unser Inneres, suchen verschiedene Körperräume auf, spüren wie wir DA sind, gerade jetzt, ob wir uns in unserem Körper zu Hause fühlen und entdecken so unbelebte Räume.
ATEM: Durch den Atem sind wir an den Grundrhythmus des Lebens angeschlossen. Er ist die Bewegung in uns die uns ständig verwandelt, Ein- und Ausatem, der Rhythmus von ständigem Austausch, von Geben und Nehmen. Der Atem läßt uns Weite und Enge im Körper erfahren, wir geben und nehmen uns Raum. Fragen: Wie atme ich? Welchen Raum nehme ich mir? Nehme ich mir überhaupt Raum?
STIMME: Unser Körper gleicht einem Haus mit vielen Räumen, mit unbelebten und belebten Orten. Durch das Tönen von Vokalen und Konsonanten bringen wir diese Räume sowie die dem Ton zugeordneten Qualitäten und ihre psychischen Entsprechungen in Schwingung (wie z.B. Bauch-Becken-Raum = tragende Kraft/Vertrauen). Die Stimmübungen machen uns diese Räume zugänglich und erfahrbar.
LEIBARBEIT: "Vom Körper, den wir haben zum Leib, der wir sind" meint die Unterscheidung zwischen dem Körper als Objekt, das leistet und funktionieren muß, das sich oft in Form von Verspannung oder Schmerz Gehör verschafft, und dem Leib, der wir sind, als unser Zuhause in dem wir wohnen, das wir täglich neu beleben. Die Absicht ist unseren Körper "einzuwohnen" und uns niederzulassen. In unserem Leibgedächtnis sind unsere bisherigen Lebenserfahrungen, seien sie schmerzvoll oder angenehm, abrufbar gespeichert.
Durch einfache Übungen lassen wir uns täglich aufs Neue ein und geben uns so die Möglichkeit eintrainierte Fehlhaltungen bewußt zu machen und zu verändern. Wir nehmen Anspannung und Tonus/gesunde Spannung im Körper wahr. Leibarbeit bietet Formen an um eine gesunde Spannung im Körper einzurichten. Bin ich getragen oder gehalten? Bin ich zwischen Scheitel und Sohle eingespannt oder eingebettet ?
Konkret, was tun wir in Kurs und Workshop? Gemeinsames Einfinden, wir nehmen uns Zeit im Kreis anzukommen um uns dort abzuholen wo wir gerade stehen/sind. Wir setzen uns manchmal auch kurz in gemeinsamer Stille zur Meditation. Die anschließenden Körpererfahrungen sinken auf diese Weise tiefer und können sich besser im Körper verankern.
Unsere Themen: Die Körperräume
- Füße - Stand > Boden o Bauch - Beckenraum > Körpermitte/Hara
- Oberkörper - Schulter - Herzraum - Kopf > Verbindung zum Oben (Himmel)
- Wirbelsäule - Aufrichtung > Haltung
Sind wir gut im Boden verwurzelt und in der Körpermitte, dem Hara, verankert, so erlaubt uns diese Haltung gutes Aufgerichtetsein. Die Stunden beginnen mit der Vorbereitung der Füße, der Fußsohlen. Wie ist mein Stand, mein Boden, wie stehe ich im Leben? Vom Boden, unserer Basis, wandern wir durch den ganzen Körper bis zum Scheitel, begehen die einzelnen Räume unseres Hauses. Bei allen unseren Stationen steht die Frage: Wie bin ich da? Bin ich hier zu Hause? Was kommt mir aus meinem Körper entgegen? Wie bin ich da zwischen Scheitel und Sohle? Bin ich verbunden oder bin ich eingespannt?
Ziel der Arbeit ist, sich selbst zu begegnen, bei sich anzukommen, sich unter die Haut zu fühlen; Innezuhalten im Alltag (Wer bin ich jetzt in diesem Augenblick?), Übungen in den Alltag des Lebens zu nehmen, mit sich selbst verbunden zu bleiben und Wachsamkeit in unserem alltäglichen Tun zu üben.
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